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Tell us what to do!? / Erste Hilfe im Ernstfall

Street Art is not a crime!
Die meisten StreetArt-Aktionen sind leider kriminalisiert, das heisst, dass mensch grosse Probleme bekommen kann, wenn etwas mal nicht so läuft wie geplant und auf einmal der Wachschutz oder die Bullen aufkreuzen. Die folgenden Tipps, wie mensch solche Situationen vermeiden kann, oder, wenn es zu spät ist, am besten mit Ihnen umgehen kann, basieren auf dem Text „Street Art is not a crime!“ von inforiot.de. Wir haben den Text überarbeitet und ergänzt.
Leider wissen zu wenig StreetArtists, wie sie sich bei ärger mit der Polizei verhalten müssen. Immer wieder passiert es, dass sich Leute ungewollt gegenseitig belasten. Hier ein paar Tipps:
Vor der Aktion
Wegen Fingerabdrücken die Dosen/Farbeimer/Rollen am besten nie ohne Handschuhe anfassen. Zur Sicherheit sollten die Materialien vor einer Aktion nochmal gründlich abgewischt werden (wahrscheinlich hat irgendwann dann doch mal ein Besuch die Cans angefasst..).
Besorgt euch am besten Handschuhe, die dicker als die gängigen Medizin-Handschuhe. Bei den Medizin-Handschuhen können nämlich Fingerabdrücke durchgehen. Das könnt ihr leicht selber probieren, indem ihr mit so einem Handschuh mal auf eine glatte Plastikfläche drückt und danach den Fingerabdruck sucht.
Dosen nicht mit eigenem Tag oder Sticker personalisieren.
Wenn Du mit einer Skizze losgehst, darauf achten, dass derselbe Name auf keiner Zeichnung zuhause existiert!
Vorher die Wand und die Umgebung so genau wie möglich angucken oder damit fahren… :) Es macht die Sache auch viel sicherer, wenn ihr euch vorher mindestens einen Fluchtweg überlegt habt.
Keine schlechte Idee ist es, ein Versteck in nächster Nähe zu suchen, indem ihr euch umziehen und Sachen wie Farbe bunkern könnt. Bei manchen Actions mit einer Rolle ist die Kleidung danach gut gefärbt, so dass ihr damit vor allem nachts sehr auffallt.
Falls die Dosen nicht in einem nahen Versteck gebunkert wurden, schüttelt ihr sie besser zuhause.
Je nachdem, was ihr vorhabt, können sich noch weitere Vorbereitungen lohnen. Zum Beispiel lassen sich viele Stencils unauffällig in Pizza-Kartons transportieren. Beim Postern mit einer Leiter und Kleister Eimer macht sich so ein blauer Arbeitsanzug gut.
Während der Aktion
Leise sein! Das ist besonders schwer, wenn ihr zu mehreren seid.
Kurz vorher nochmal die Lage abchecken. Es zahlt sich auch meistens aus, Personen dabei zu haben, die nur scouten und ein verabredetes Zeichen geben, falls Bullen o.ä. auftauchen.
Am besten vor der Aktion dicke (siehe oben) Handschuhe anziehen und diese erst nach der Aktion ausziehen. Das verhindert, dass ihr in Stresssituationen die Dosen aus Versehen mit blossen Händen anfasst.
Spass bei der Aktion nicht vergessen.
Nach der Aktion
Leere Dosen/Farbeimer/Rollen direkt am Ort liegen lassen oder in eurem ganz nah gelegenen Versteck und am nächsten Tag zum Recyclinghof mitnehmen!
Falls ihr euch umgezogen habt und die Action-Klamotten Farbe abbekommen haben, wechselt die Klamotten und nehmt die Action-Sachen auf keinen Fall mit. Falls ihr von Bullen aufgehalten werdet, könnt ihr sicher sein, dass sie eure Sachen nach Farbe absuchen.
Benutzte Caps und Handschuhe wegschmeißen.
Ruhig Richtung Fahrrad oder Auto laufen.
Aktionen mit Polizeikontakt
Wenn euch ein privater Sicherheitsdienst festnimmt, sofort nach der Polizei verlangen.
Aussage verweigern, nur Angaben zur Person machen. Das ist der wichtigste Punkt von allen! Ihr seid verpflichtet, der Polizei Namen, Geburtstag, Meldeadresse und eine ungefähre Berufsbezeichnung („Schüler“, „Angestellter“) mitzuteilen. Mehr müsst ihr nicht und solltet ihr auch nicht sagen – Nichtaussage ist nicht zu eurem Nachteil, ganz egal was sie euch erzählen! Wenn ihr was zu sagen habt, könnt ihr das genauso später tun, nachdem ihr ein paar Nächte drüber geschlafen habt, euch mit FreundInnen oder Anwalt beraten habt. Viel zu oft plaudern Leute, aus welchen Gründen auch immer, gegenüber der Polizei munter drauf los und belasten so sich und/oder andere.
Sehr wahrscheinlich werden eure sämtlichen Sachen und Klamotten nach Farbe abgesucht, deswegen sorgt dafür, dass ihr keine Farbe an euch oder dabei habt.
Wenn sie versuchen, euch Silberbilder zuzuschieben, und mit dem Finger über die Silberfarbe wischen: Silber ist nicht abriebfest!! Spart euch die Tatsache lieber für die Verhandlung auf.
Wenn ihr Glück habt, nehmen sie nur eure Adresse auf und das war es vorerst. Wenn ihr Pech habt, müsst ihr mit auf die Wache.
Auf der Wache
Ihr werdet (nochmal) durchsucht. Skizzen, die noch ungesehen sind, am besten vorher loswerden. Sachen von euch werden sichergestellt: Lasst euch eine Quittung geben! Wenn ihr zu zweit seid, werdet ihr jeweils allein zum Verhör geführt und vernommen. Wieder GANZ WICHTIG: Nix sagen! Es wird euch vielleicht auch eine Hausdurchsuchung angedroht… Ausführliche allgemeine Infos zum Verhalten auf der Wache findet ihr hier: Auf der Wache und hier: Tipps für Verhöre
Hausdurchsuchung
Die Polizei darf nur die Räume des Beschuldigten durchsuchen, also: Schlaf- und/oder Wohnzimmer und gemeinsam genutzte Räume wie Keller oder Küche. Die BeamtInnen kommen oft sehr früh (zwischen 7 und 8 Uhr), damit sie sicher sein können, dass der/die Beschuldigte anwesend ist. Geht davon aus, dass die Polizei euch vielleicht mal besuchen kommen könnte, und sorgt vor: belastende Fotoalben, Blackbook und Zeichnungen entfernen, ggf. auch Fotoapparat. Magazine, Kaufvideos etc. sind egal. Nie Telefonnummern mit StreetArtist-Tags kennzeichnen! Ausführliche allgemeine Infos zum Verhalten bei Hausdurchsuchungen findet ihr hier: Hausdurchsuchungen
Vorladungen
Wenn ihr als Beschuldigte zur Polizei vorgeladen werdet, ist das eine Einladung: ihr müsst und solltet (nach Absprache mit einer/m Anwält/in) nicht hingehen! Erst, wenn euch die Staatsanwaltschaft lädt, müsst ihr hin. Etwas anderes ist es, wenn ihr als Zeuge/Zeugin geladen werdet. Beachtet die Hinweise, was ihr wann bei wem sagen müsst und konsultiert im Zweifelsfall eine/n Anwält/in: Vorladungen
Strafbefehl
Irgendwann bekommt ihr einen Strafbefehl, oder einen Vermerk, dass das Verfahren gegen euch eingestellt wurde. Beim Strafbefehl: Spätestens jetzt solltet ihr euch mit einer/m Anwält/in beraten. Unbedingt die Widerspruchsfrist einhalten! 14 Tage nach Zustellungsdatum (wird auf dem Umschlag von der/m Zusteller/in vermerkt). Anwält/in konsultieren und Widerspruch einlegen, das geht so:
Betreff: [Euer Aktenzeichen und GeschäftsNr.]
Sehr geehrter Frau Richterin XY,
gegen den Strafbefehl Geschäfts-Nr.: XY lege ich zwecks Fristenwahrung Rechtsmittel ein. Die Straftaten werden von mir bestritten.
Mit freundlichen Grüßen
Ausführliche allgemeine Infos zum Verhalten bei Strafbefehlen findet ihr hier: Strafbefehl
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